20. September 2017

„Der Armutsproblematik stellen“


Die Diakonie Saar und die Evangelische Kirchenkreise sind gegen ein Bettelverbot in der Saarbrücker Innenstadt.„Wegschauen und verbieten kann keine Lösung sein“, sagt Diakoniepfarrer Udo Blank. „Betteln ist ein soziales Problem."

"Armut kann man nicht bekämpfen, indem man sie einfach verbietet. Unsere reiche Gesellschaft muss sich stattdessen der Armutsproblematik stellen.“ Die Diakonie Saar  appelliert  gemeinsam mit den evangelischen Kirchenkreisen Saar-Ost und Saar-West an die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, kein Bettelverbot in der Innenstadt zu erlassen. „Betteln ist kein Vergnügen, es ist der Ausdruck einen Notlage“, betont der Diakoniepfarrer. Eine offene Gesellschaft müsse auch den Anblick von Armut ertragen. Vom Betteln gehe keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus. Aggressives Betteln sei in Saarbrücken verboten. „Sollte es kriminelle Aspekte geben, sind polizeiliche Ermittlungen oder das Strafrecht gefragt und ausreichend“, sagt Blank.

 

„Wer bettelt ist arm. Gerade wer arm ist, hat ein Recht auf Hilfe unter dem Leitbild von Toleranz, Respekt und Weltoffenheit“, betonen die beiden Superintendenten, Gerhard Koepke und Christian Weyer. Sicherlich sei der Anblick von bettelnden Menschen oft bedrückend, vielleicht auch irritierend oder gar beängstigend. Aber Wegschauen sei keine Lösung. Jede und jeder könne selbst entscheiden, ob er Bettelnden etwas gebe. Arme Menschen hätten ein Recht auf Hilfe, zitieren die beiden Kirchenleitenden aus dem Alten Testament: „Wer den Armen etwas gibt, leiht es dem Herrn, und der Herr wird es reich belohnen“ (Sprüche 19,17).

 

Diakonie kümmert sich um bedürftige Menschen
Die Diakonie Saar kümmert sich in zahlreichen Einrichtungen um bedürftige Menschen, etwa im Haus der Diakonie in Saarbrücken in der Johannisstraße. In der Praxis für medizinische Grundversorgung in gemeinsamer Trägerschaft mit der kassenärztlichen Vereinigung findet regelmäßig eine ärztliche Sprechstunde statt, die eine  medizinische Grundversorgung für Wohnungslose und benachteiligte Saarländerinnen und Saarländer sichert. In der St. Johanner Börse können sich Bedürftige mit Kleidern versorgen. Die Aufsuchende Soziale Arbeit bietet Menschen, die auf der Straße leben oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind, Unterstützung an in der Lebenssituation, aber auch bei der weiteren Integration in die Gesellschaft.

 

Die Herberge zur Heimat am Ludwigsplatz will wohnungslosen Menschen wieder die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Sie sollen wieder selbstständig leben können.  Die Unterstützung ist als Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert.

 

Neben Obdachlosen und Punks sind es heute vielfach Menschen aus süd- und osteuropäischen Staaten, die mit offenen Händen oder Plastikbechern betteln. „Sie kommen hierher, weil sie in ihrer Heimat keine Lebensgrundlage mehr haben“, sagt Blank. Den Neuankömmlingen, vor allem aus den neuen Beitrittsländern Rumänien und der Slowakei, wird über eine aufsuchende Beratung der  Zugang zu allgemeinen Hilfsangeboten ermöglicht. Die Mitarbeitenden der Diakonie begegnen dabei großer Not und  Elend. Denn die Menschen finden hier oft keine Arbeit und bekommen auch keine staatlichen Hilfen. „So sind sie aufs Betteln angewiesen“, sagt Blank.  

 


Helmut Paulus Pressestelle und Öffentlichkeitsarbeit
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